Taub und trotzdem hören … mit der Innenohr-Prothese

6. Deutscher Cochlea (Hörschnecke)-Implantat-Tag am 28. Mai 2011

Cochlea(Hörschnecke)-Implantat-Tag in Marburg

Cochlea(Hörschnecke)-Implantat-Tag in Marburg

Rund drei Prozent aller Babys haben bei der Geburt ein vermindertes Hörvermögen, drei bis vier von 1000 Neugeborenen haben erhebliche Hörschädigungen. Werden sie im ersten Lebensjahr mit einer Innenohr-Prothese, dem Cochlea-Implantat (CI), versorgt, erwerben die meisten von ihnen eine normale Lautsprachfähigkeit und differenzierte Hörfähigkeit. Seit 2009 ist in Deutschland das Neugeborenen-Hörscreening gesetzlich verankert. So gelingt es, Kinder bereits kurz nach der Geburt zu testen und gegebenenfalls rasch eine Versorgung mit Hörgeräten und/oder CI einzuleiten. Das und vieles mehr ist auf die unermüdliche Arbeit der Deutschen Cochlear Implant Gesellschaft e.V. (DCIG) zurückzuführen. Seit 2005 organisiert sie den Deutschen CI-Tag, der Samstag, den 28. Mai 2011, zum sechsten Male bundesweit statt findet. Die seit 2004 bestehende CI-Selbsthilfegruppe Mittelhessen steht von 11 bis 15 Uhr vor dem Cineplex Marburg für Informationen und Tests bereit.

„Ja- Hören! Selbstbewusst kommunizieren ” heißt das Motto der Veranstaltung auf dem Gerhard-Jahn-Platz, um Eltern von hörgeschädigten Kindern, ertaubte sowie schwerhörige Erwachsene und interessierte Bürger zu informieren. Auch Dr. med. Rainer Matthias Weiß, Leiter Implantierbare Hörsysteme des Marburger Klinikums, gibt aus dem klinischen Bereich Auskünfte. Die Marburger Hörgeräteakustikerin Gabriele Suffert steht in ihrem Hörmobil den interessierten Besuchern für einen Hörtest und Fragen um die Hörgeräteversorgung zur Verfügung. Petra Trampe vom Integrationsfachdienst IFD wird zur beruflichen Situation von Hörgeschädigten Auskunft geben.

„Ich kann allen Menschen, die schlecht hören oder sogar taub sind, zu einer Innenohrprothese raten, wenn dies medizinisch möglich ist. Es ist wunderbar, wieder zu hören und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, so CI-Gruppenleiter Wolfgang Kutsche. „Besuchen Sie uns, hier haben Sie Gelegenheit, sich mit Fachleuten und Betroffenen umfassend über das CI zu informieren und einen Hörtest zu machen.“ Denn man könne taub sein und trotzdem fast normal hören.

„Hören zu können, hat gerade auch im beruflichen Bereich eine sehr große Bedeutung. Mit den Kollegen sich zu verständigen ist während der gemeinsamen Arbeit - bspw. am Fließband oder auf dem Bau - geradezu lebenswichtig. Und natürlich auch für die soziale Vernetzung im Betrieb“, skizziert Petra Trampe vom Integrationsfachdienst IFD wichtige Aspekte. Es gäbe sehr viele, individuelle Hilfen und Förderungen für schwerhörige oder taube Arbeitnehmer, um einen angemessenen Platz in der Arbeitswelt einnehmen zu können. In all diesen Fragen stünde der IFD zur Seite. Trampe verweist darauf, daß es in Deutschland aktuell etwa 15 Millionen Menschen mit Hörbehinderungen gibt.

„Mithilfe von Cochlea-Implantaten können Betroffene nicht nur Geräusche, Töne und Stimmen wahrnehmen, das neue Hören macht auch Mut, sich aktiv ins gesellschaftliche Miteinander einzubringen”, sagt Wolfgang Zöller, Patientenbeauftragter der Bundesregierung und Schirmherr des 6. Deutschen CI-Tages.

Foto: www.ci-shg-mittelhessen.de

BU: Mitglieder der Selbsthilfegruppe Mittelhessen beim CI-Tag in Marburg

Infos: www.ci-shg-mittelhessen.de über die Selbsthilfegruppe; www.ukgm.de/ugm_2/deu/ugm_cic/index.html über das Klinikum

Hintergrund

Ein Cochlea (Hörschnecke) -Implantat (CI) ist eine Innenohrprothese für hochgradig schwerhörige und gehörlose Kinder und Erwachsene, denen herkömmliche Hörgeräte wenig oder gar keinen Nutzen mehr bringen. CIs wandeln Schall in elektrische Impulse um, durch die der Hörnerv im Innenohr stimuliert wird. So können Geräusche und Sprache wieder wahrgenommen werden. Weltweit gibt es bisher über 200.000 durchgeführte Implantationen.

Die DCIG wurde 1987 von Betroffenen, Ärzten, Technikern und Pädagogen gemeinsam gegründet. Bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit bzw. Gehörlosigkeit übernimmt die Krankenkasse in der Regel die Kosten für eine Implantation. Sie bewegen sich zwischen 25.000 und 30.000 Euro pro CI (inklusive Rehabilitation).

Viktor R. Szymczak

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